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Beisetzung von Hartmut Unger auf dem Ostfriedhof
Der Termin für die Beisetzung für den verstorbenen Zeitzeugen Hartmut Unger steht fest:Foto:
Am Samstag, 10.10.2026 um 10 Uhr in der Trauerhalle des Ostfriedhofs in Köln-Dellbrück.
Führung: Brück in der Zeit des Nationalsozialismus
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde Brück wie das gesamte Deutsche Reich ‚gleichgeschaltet‘, d. h. die politischen und gesellschaftlichen Organisationen des Nationalsozialismus bestimmten das Leben in Brück bis 1945.
Mitglieder der Geschichtswerkstatt werden an einzelnen Stationen über die Geschichte Brücks zur NSZeit informieren.
Nach einer ersten Einführung über die Zeit des Nationalsozialismus werden verschiedene Orte besucht, die für diese Zeit relevant waren und an sie erinnern.
Dazu gehören z. B. der Lindensaal (heute Pizzeria), der Gräfenhof, das Hauptquartier der Ortsgruppenle itung (ehe – maliges Schwimmbad, heute Kindergarten) und Bunker in Brück. Auch über die Lage der Zwangsarbeiter wird informiert.

Die Führung dauert ca. 90 Minuten
Treffpunkt: 31. Oktober 2026 um 14 Uhr auf dem Marktplatz
Alle Zielpunkte sind barrierefrei zugänglich.
Teilnahmegebühr: 12 €
(Kinder/Jugendliche sowie Mitglieder der GW kostenfrei)
Anmeldung bis 25.10.2026 (info@gw-kb.de oder Tel.: 0221 8026 1588)
Anmeldeformular: LINK
Foto: Polizeiwagen mit NS-Funktionären vor Gaststätte Em Hähnche (Archiv der GW)
Rückblick: Tag des Denkmals
Leider war es ein sehr verregneter Vormittag. Umso erstaunlicher war, dass sich am Treffpunkt trotz des Regens über 50 interessierte Bürger und Bürgerinnen versammelt hatten.
Das erste Denkmal war die alte Schule von Brück, das heutige Casa Pequena. Unser Dank gilt den Betreibern, die uns den Zugang in den ehemaligen Schulraum ermöglichten.

Fritz Bilz trug in seiner unübertrefflichen Vortragsweise viele geschichtliche Details und kuriose Ereignisse vor, zum Beispiel über den ersten Lehrer Schlinkhoven. Die Schule bestand anfangs aus nur einem Klassenzimmer für 276 Schülerinnen und Schüler, so dass die Lehrerwohnung in einen Klassenraum umgewandelt wurde. Die unhaltbaren Zustände führten dazu, dass 1848 die Brücker Bürger eine Unterschriftenaktion initiierten, um den Gemeinderat zum Neubau einer Lehrerwohnung zu bewegen. Diese Unterschriftenliste (neben einem Federkiel) präsentierte Fritz Bilz bei seinem Vortrag. Außerdem ergänzte er ihn mit eigenen Erfahrungen und Anekdoten aus seiner Schulzeit.
Die zweite Station war der Gräfenhof – die Keimzelle von Brück – und seine wechselvolle Geschichte. Er wurde 1166 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und war lange Zeit im Besitz des Grafen von Berg, bevor er von verschiedenen Pächtern bewirtschaftet wurde. Unter den Teilnehmern befand sich auch als Zeitzeuge ein später Nachfahre der Pächterfamilie des Gräfenhofs aus dem 16. Jahrhundert. Alexander Greven erläuterte kurz, dass die Kölner Familie des Adressbuchverlegers Greven seinen Namensursprung im Gräfenhof (auch Grevenhoff) hat.

In dem Jugendzentrum, das sich für einige Zeit Anfang der 1980er Jahre in einem Trakt des Gräfenhofs befand, lernte Fritz auch seine spätere Ehefrau Brigitte kennen, die über viele Jahrzehnte die Geschicke der Geschichtswerkstatt Köln Brück leitete.
Nach einer Stunde endete unter großem Applaus die Führung. Es klang an, dass die Geschichtswerkstatt gerne im kommenden Jahr eine neuerliche Führung anbieten würde.
Insgesamt war es eine sehr unterhaltsame und lehrreiche Exkursion, die auch Fritz Bilz sichtlich Vergnügen ber ei t et hat.
Nachruf: Der Zeitzeuge Hartmut Unger ist gestorben
Janina Unger informierte mich, dass ihr Ehemann, Hartmut Unger, am 28. Juli 2026 in Berlin in seiner Wohnung gestorben ist. Er wurde 97 Jahre alt (geb. 8. März 1929 in Eberswalde).
Hartmut war das einzige Kind von Charlotte und Otto Unger. Der Vater war Jude, seine Mutter Nichtjüdin. So bezeichneten ihn die Nazis als „Mischling ersten Grades“. Die Familie lebte lange in Berlin bis sie 1930 nach Siegburg und 1936 nach Köln zog und 1937 nach Köln-Brück, Langen Bruch 32.
Aufgrund der Nürnberger Gesetze wurde Otto Unger, der Studienrat war, 1936 aus dem Schuldienst entlassen. Er wurde bis nach Kriegsbeginn zur Zwangsarbeit eingesetzt. Der Sohn Hartmut besuchte die Volksschule in Merheim und danach die Oberrealschule für Jungen am Hansaring.
Als „Mischehe“ blieb die Familie vorerst geschützt bis sie am 9. September 1944 die Aufforderung erhielt, sich im Deportationslager Köln-Müngersdorf einzufinden. Das war die Vorstufe zum Transport ins Konzentrationslager Theresienstadt. Ende September sollten die Insassen des Lagers Müngersdorf ins KZ verbracht werden. Nur wenige Tage vorher tauchte die Familie Unger unter. Otto Unger wurde im Keller des Gartenhauses von St. Alban in Gürzenichnähe durch den Kaplan Dr. Karl Koch bis zur Befreiung versteckt und konnte so überleben. Die Mutter mit dem Sohn Hartmut wurde in Ostdeutschland in Oranienburg versteckt. Aufgrund einer Denunziation wurden beide verhaftet und kamen ins Gefängnis nach Cottbus. Dort wurden sie überraschend am 8. Januar 1945 freigelassen. Die russische Front rückte immer näher und man befürchtete wohl Rachemaßnahmen.
Im Spätsommer war die Familie unversehrt wieder vereint. Otto Unger wurde als Studienrat im Jungengymnasium Schaurtestraße in Köln-Deutz eingesetzt. Hartmut Unger machte sein Abitur und studierte Ingenieurwesen in Aachen. Die Familie blieb in Brück bis 1966, der Sohn war inzwischen ausgezogen, bis sie nach Refrath in einen Bungalow zog. Nach dem Tod seiner Frau 1975 zog Otto Unger zu seinem Sohn nach Ahlen in Westfalen. Dort starb er am 31. Juli 1984.

Hartmut Unger hatte als Diplomingenieur mehrere Dezernentenstellen in Nordrhein-Westfalen inne. Nach seiner Pensionierung zog er zu seiner zweiten Frau Janina nach Berlin, wo er jetzt verstarb. Die Bekanntschaft mit Hartmut Unger begann für die Geschichtswerkstatt Köln-Brück 2002 nach der Herausgabe des Buches Nr. 10 „Gegen das Vergessen“ im selben Jahr. Dabei fiel mir die Aufgabe zu, die Geschichte der Brücker Juden zu erforschen. Dabei stieß ich auf die Familie Unger. Bald meldete sich ein Schüler Otto Ungers bei mir, der mir half, weitere Schüler dieses Lehrers ausfindig zu machen, um weitere Informationen zu erlangen. Auch der Sohn Hartmut Unger hatte das Buch gelesen und unterstützte mich bei meinen Recherchen. Mehrmals fuhr ich zu ihm nach Berlin, um ihn zu interviewen. Dabei übergab er mir reichhaltiges Bildmaterial. Oft besuchten mich die Ungers in Brück zu gemeinsamen Essen und Gedankenaustausch. So entstand eine Freundschaft, die bis heute anhält.

Das Ergebnis all dieser Recherchen war die 2020 erschienene 14. Publikation der Brücker Geschichtswerkstatt „Otto Unger. Von Nazis verfolgt, im Versteck überlebt, Demokratie gelehrt“, die damals in der Germania Judaica am Neumarkt vor über 100 Zuhörern im Beisein von Hartmut und Janina Unger vorgestellt wurde.
Im Jahre 2021 startete die Brücker Käthe-Kollwitz-Realschule ein „Zweitzeugenprojekt“. Das Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler mit dem Schicksal von Verfolgten des Naziregimes so bekannt zu machen, dass sie dadurch in die Lage versetzt werden, in die Rolle der verfolgten Person zu schlüpfen. Die Schülerinnen und Schüler suchten sich das Schicksal der Familie Unger aus. Es traf sich gut, dass Hartmut Unger mit seiner Frau Janina im November in Köln weilte und so wurde ein Treffen in der Realschule mit ihm arrangiert. Nach dem Interview, dem sich mehrere Schüler stellvertretend für Hartmut Unger stellten, war die Gelegenheit gegeben, Hartmut Unger Fragen zu seinen Erfahrungen aus dieser Zeit zu stellen. Er war sehr überrascht, wie stark die Schüler sich in das Familienleben der Ungers eingearbeitet hatten. Für alle war es eine sehr bewegende Stunde. Alle Schülerinnen und Schüler erhielten anschließend das Buch der Geschichtswerkstatt Brück über das Leben der Ungers.
Das Begräbnis von Hartmut Unger wird auf dem Ostfriedhof Köln-Dellbrück stattfinden. Dort liegen schon die Ehefrau von Otto Unger, Charlotte, geb. Werchan und seine Schwiegereltern.
Die Werkstatt für Ortsgeschichte wird dieses aufrechten Menschen Hartmut Unger ewig gedenken.
Dr. Fritz Bilz
Foto oben: Lesung in der Germania Judaica (2020)
Foto unten: Zweitzeugenprojekt in derKäthe-Kollwitz-Realschule (2021)
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