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Ankündigung: Mit dem Rad zu historischen Orten
Wochenend‘ und Sonnenschein, dann mit dem Rad ins Grüne rein…
Wer Bewegung an der frischen Luft liebt und dabei gerne neugierig durch die Gegend radelt, kann auf der ca. 17 km langen Radführung durch das rechtsrheinische Köln so einiges über dessen Geschichte erfahren: Der Neue Kalker Friedhof, die Germania-Siedlung, das Gremberger Wäldchen und so manches mehr. Und zwischendurch eine Picknick-Pause im Grünen.

Fünf historische Orte werden angesteuert. Und wer mehr erfahren will, dem sei unser historischer Radführer „Von Brück in alle Himmelsrichtungen“ empfohlen. Dort gibt es weitere insgesamt 47 Ziele aus dem Rechtsrheinischen, die hier ausführlich beschrieben sind inklusive Übersichtskarten für eigene Exkursionen (erhältlich über https://gw-kb.de/veroeffentlichungen/) .

Treffpunkt: Samstag, 30. Mai. 2026, 14 Uhr am Marktplatz in Brück
Picknickkorb nicht vergessen.
Gebühr 12 Euro (Mitglieder der Geschichtswerkstatt Köln-Brück frei)
Anmeldung bis 25. Mai telefonisch unter 0221 8026 1588 oder info@gw-kb.de
oder https://gw-kb.de/anmeldung-fuer-veranstaltung/
Zweite Führung über den jüdischen Friedhof Deutz
Zum zweiten Mal bot die Geschichtswerkstatt eine Führung über den jüdischen Friedhof in Deutz an. Auch dieses Mal gab es deutlich mehr Anmeldungen als Personen an der Führung teilnehmen konnten.


Die Führerin Esther Bugaeva von der jüdischen Synagogengemeinde Köln vermittelte der Gruppe viel Wissenswertes über die Friedhofsanlage in Deutz. Sie begann mit der Geschichte des Friedhofs am Judenkirchhofsweg. 1695 wurde er als ältester erhaltener Friedhof im Gebiet der heutigen Stadt Köln gegründet. Bis zum späten 17. Jahrhundert wurden Juden aus Deutz linksrheinisch auf dem alten Friedhof südlich der Kölner Stadtmauern beerdigt. Die letzten Spuren dieses Friedhofs auf dem Judenbüchel wurden 1936 entfernt, um dort den Großmarkt in Raderberg zu bauen. Die letzte Belegung des jüdischen Friedhofs in Deutz ist 1941 verzeichnet, danach diente der Friedhof in Bocklemünd, der 1918 eröffnet wurde, als Beisetzungsstätte.

Den Teilnehmern wurden Besonderheiten der Inschriften auf jüdischen Grabsteinen erläutert. Es finden sich Symbole wie ausgebreitete Hände für Stammväter/Hohe Prieser, Wasser- bzw. Levitenkannen für Personen, die vom Stamm Levi abstammen, Weintrauben als Symbol der Fruchtbarkeit. Bis zum 19. Jahrhundert ist die Beschriftung ausschließlich hebräisch, danach finden sich auch zusätzlich Texte in lateinischer Schrift. Nach orthodoxer Tradition sind die Steine schlicht gehalten, Berufsbezeichnungen und Titel sind grundsätzlich verboten. Die Gräber weisen in etwa alle die gleiche Größe auf, es gibt keine Gemeinschaftsgräber. Grabsteine sind nach Osten (Jerusalem) oder zum Friedhofseingang ausgerichtet. Zwischen 1859 und 1907 mussten die Grabsteine flach liegen, da die preußischen Militärbehörden in der Nähe der Forts ein freies Schussfeld verlangten.
Einige bekannte jüdische Kölner fanden in Deutz ihre letzte Ruhestätte. Isaac Offenbach, Kantor der Synagoge in der Glockengasse und Vater des berühmten Musikers Jacques Offenbach wurde hier beigesetzt. Der deutsch-jüdische Philosoph und frühe Zionist Moses Hess ruhte hier, bis seine Überreste 1961 nach Israel überführt wurden. Angehörige der Bankiersfamilie Oppenheim sind in einem prächtigen Grab beigesetzt. Mit zunehmender Assimilierung vieler Juden wurden auch die Grabstätten vielfältiger ausgestaltet. Insgesamt 5000 Grabstätten befinden sich auf dem Friedhof. Die 18 000 m² große Anlage bleibt naturbelassen und viele seltene Pflanzenarten sind dort nachgewiesen.
Gedenkveranstaltung Zwangsarbeiter-Lager im Gremberger Wäldchen
„Ich wachte von Schüssen auf. Sie kamen ans Fenster, öffneten die Fensterläden und schossen.“
So beschreibt Sergej Stepanow, einer der Überlebenden des Krankenlagers für Zwangsarbeiter, das Massaker im Gremberger Wäldchen.
Seine Aussagen sowie die weiterer Überlebender standen im Mittelpunkt einer Gedenkveranstaltung am 8. April bei der Gedenkstätte für die Ermordeten des Lagers. Sie wurde durchgeführt von der AG Bodendenkmal, einer Initiative des Jugendclubs Courage, und sollte an die Räumung des Lagers am 8. April 1945, also vor 81 Jahren, erinnern.
Das Zwangsarbeiter-Mahnmal wurde 1985 auf Initiative der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes (VVN) errichtet und erinnert an die Nazi-Verbrechen, die hier stattfanden. Mit der Lesung der Zeitzeugenberichte durch die Mitglieder des Jugendclubs Courage wurde die Geschichte und das grausame Ende des Lagers auf beeindruckende Weise verdeutlicht. Ziel der Initiative ist es, die Geschichte des Lagers mit Hilfe erklärender Tafeln vor dem Lagergelände zu erklären – als Lernpfad. Bereits in der Vorarbeit wurden Schülerinnen und Schüler der Kaiserin-Theophanu-Schule eingebunden.


Zu diesem Zweck wurde auch bereits eine neue Tafel mit einer Darstellung der Geschichte und einem Luftbild des Lagers erstellt.
Außerdem wurden zwei Wege um das Lager herum mit Schildern der Namen von Überlebenden angefertigt und aufgehängt.
Von dem Lager ist heute nichts mehr zu sehen. Das will die AG Bodendenkmal ändern, um die Erinnerung an diesem Ort aufrecht zu erhalten.
Darüber hinaus ist ein Podcast entstanden, der in sechs halbstündigen Episoden die Geschichte des Lagers sehr anschaulich vermittelt, aber auch darauf hinweist, dass das Lager und das Gedenken daran durch den Ausbau der Autobahn A4 gefährdet ist. (https://lager-gremberg.de/p+
Das Mahnmal im Gremberger Wäldchen und seine Geschichte
Bis heute weiß niemand genau, wie der zwei Meter hohe Granitblock mit der kyrillischen Inschrift „Hier sind 74 sowjetische Bürger begraben“ auf die Lichtung gekommen ist, die heute Teil einer Gedenkstätte für gestorbene Zwangsarbeiter darstellt. Man geht davon aus, dass es die sowjetische Militärmission gewesen ist, die nach Kriegsende mehrere Gedenksteine an Orten ermordeter sowjetischer Zwangsarbeiter errichten ließ.
Ein weiterer Bestandteil der Gedenkstätte ist eine Steintafel am Boden, die 1985 auf Initiative der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes (VVN) errichtet wurde. Am Fuß der Steintafel am Boden steht eine kleine Plastik von Klaus Balke mit einer Inschrift auf dem Sockel. Die Inschrift ist ein Zitat aus der „Kriegsfibel“ von Bertolt Brecht (1898 – 1956):
„Und alles Mitleid, Frau, nenn ich gelogen, / das sich nicht wandelt in den roten Zorn, / der nicht mehr ruht, bis endlich ausgezogen, / dem Fleisch der Menschheit dieser alte Dorn.“


2020 wurde die ursprünglich aus Bronze bestehende Plastik gewaltsam entfernt. 2022 wurde eine neue aus Keramik im Beisein des Künstlers und der Bezirksbürgermeisterin wieder eingeweiht.
An der Stelle dieser Gedenkstätte befand sich in der Zeit von 1942 bis 1945 ein Zwangsarbeiterlager, das insbesondere als Krankenlager für Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen aus Köln und Umgebung diente.


In dieses Lager, das aus mehreren Baracken bestand, wurden insbesondere Menschen aus der Sowjetunion, der Ukraine, Polen und Franzosen eingeliefert, die zur Zwangsarbeit in die umliegenden Industriebetriebe wurden und wegen mangelnder Hygiene und unzureichender Ernährung erkrankt waren. In Untersuchungsberichten von Ärzten wird der Zustand der Kranken als „elend“ bezeichnet. Oft wurde „offene Tuberkulose“ diagnostiziert. Die dauernde Belegungsstärke umfasste mindestens 150 Personen. Insgesamt haben weit über 800 Menschen dieses Lager durchlaufen. Es gab eine Entbindungsstation, das heißt, dass auch Frauen hier untergebracht waren. Zeitzeugen erinnern sich, dass die hygienischen Zustände miserabel waren und die Menschen keine Behandlung oder ausreichende Ernährung bekamen. Das bedeutete, dass die Menschen in dem Lager, das der Deutschen Arbeitsfront unterstand, nicht gesund gepflegt werden sollten, sondern dass man sie krepieren ließ. So starben hier in der Zeit von März bis Juli 1943 durchschnittlich 12 Menschen pro Monat, ein Jahr später lag die Todesrate bei 25 zumeist jungen Menschen pro Monat. Drei Viertel dieser Frauen und Männer waren unter 22 Jahre alt. Im Ganzen kann von einer Todeszahl von über 500 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in der Zeit von 1943 bis 1945 ausgegangen werden. Nicht alle Lagerinsassen sind gestorben, es gab wenige, die wieder in andere Lager zum Arbeitseinsatz versetzt wurden oder denen die Flucht gelang. Bisher ging man davon aus, dass die Toten des Lagers bis zur Befreiung des linksrheinischen Kölns auf dem Westfriedhof in Massengräbern beerdigt wurden. Angeregt durch die Geschichtswerkstatt soll nun mit Hilfe des NS-Dok erforscht werden, ob sich möglicherweise neben dem Lager ein Massengrab befindet, an das die Stele der sowjetischen Militärmission erinnern soll.
Am 6. März 1945 wurde das linksrheinische Köln durch die amerikanischen Besatzungstruppen befreit. Fast sechs Wochen war der Rhein nun die Grenze zwischen Nazideutschland und dem befreiten Teil.
Am 7. April 1945 gab der Kölner NSDAP-Kreisleiter Alfons Schaller den Befehl, dieses Lager zu räumen. Am Sonntag, dem 8. April, kamen zwei LKWs mit Volkssturmmännern aus Poll und Deutz, die das Lager umstellten. Die Insassen wurden aufgefordert, ihre Habseligkeiten zusammenzupacken und sich auf der Straße in Kolonnen aufzustellen. Die meisten gehorchten, manche flohen, andere waren zu schwach, um das Lager zu verlassen.
Daraufhin schossen die Volkssturmmänner durch die Fenster der Baracken. Danach wurde befohlen, die Krankenbaracken zu verbrennen, „um einen Seuchenherd zu beseitigen“, wie ein Volkssturmmann bei seiner Vernehmung durch die britische Besatzungsbehörde im März 1948 schilderte. Es wurde Stroh in die Baracken gesteckt, Benzin darüber geschüttet und dann Feuer gelegt. Mehrere Schwerkranke, die nicht mehr laufen konnten, sind dabei bei lebendigem Leibe verbrannt. Am 10. April 1945 wurden sechs erschossene und neun verbrannte Zwangsarbeiter aus diesem Lager beigesetzt. Zeitzeugen berichteten von bis zu zehn Erschossenen und zwanzig Verbrannten.
Aufgrund der britischen Ermittlungen konnten Tathergang und die mindestens zwölf Täter genau ermittelt werden. Zwei der Täter wurden vom Hohen Gericht der britischen Kontroll-Kommission zum Tode verurteilt. Die Urteile wurden nie vollstreckt. Die Akten der Anklageerhebung gegen die namentlich bekannten Personen wurden am 15. Juli 1949 an den Kölner Generalstaatsanwalt übersandt, der diesen Fällen aber nicht nachging. Warum nicht, darüber kann nur spekuliert werden. Es kann durchaus möglich sein, dass die deutsche Justiz – noch durchsetzt mit Richtern aus der NS-Zeit – kein Interesse an der Verfolgung der ehemaligen Kameraden hatte. Die Täter lebten bis zu ihrem Tod unbehelligt weiter in unmittelbarer Nachbarschaft des Gremberger Wäldchens.
Der grausame Mord an diesen Menschen ist bis heute ungesühnt.

Empfohlener Link: https://www.bund-koeln.de/service/meldungen/detail/news/gemeinsam-fuer-das-gremberger-waeldchen/